Bergwanderung 2006

Freie Sport- und Kulturgemeinde e. V.
Vollmarshausen
Abteilung Wintersport

 Zum 18. Mal starteten 13 Wintersportler am 15.07.2006 um 7:25 Uhr vom Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe nach Österreich (Hohen Tauern). Die Versorgung klappte schon während der ICE-Fahrt nach München hervorragend. Hildegard versorgte alle Wanderburschen zum Begrüßungssekt mit selbstgebackenem Kuchen. Nach mehrmaligem Umsteigen ging es schlussendlich direkt mit der Seilbahn zum Alpinzentrum Rudolfshütte (2311m). Entgegen unseren Vorstellungen entpuppte sich die einfache Berghütte als eher "luxuriös".

Am nächsten Morgen ging es nach einem kräftigen Frühstück und bei strahlendem Sonnenschein um 8.00 Uhr zur ersten anspruchsvollen Wanderung. In einer Zeit von 7 Std. wurde ein Höhenunterschied von ↑ 916 HM so wie ein Abstieg von ↓ 237 HM bewältigt. Nach Ankunft in der Sudetendeutschen Hütte gab es zur Stärkung Radler und für manche einen Kaiserschmarrn. Einige Mutige „stürzten“ sich danach noch zur Abkühlung in den knietiefen Bergsee.

In der Nacht hatten einige mit der Kälte und andere wiederum mit ohrenbetäubenden Schnarchgeräuschen zu kämpfen.

Trotz allem standen am kommenden Morgen alle wieder in Reih und Glied für den nächsten Kraftakt. Zuerst bestiegen wir den kleinen Muntanitz (3.192m) und danach erklommen wir den großen Muntanitz (3.232m). Für 6 Bergsteiger war es auch die Erstbesteigung eines 3000er. Nicht nur der Gipfel und ein toller Ausblick versetzten alle in Staunen, sondern auch die vorher gesichteten Gemsen. Nach gutem Essen und "Schnaps´l" ging es aufs Lager zur wohlverdienten Nachtruhe im „kuscheligen“ Gruppenraum.

Am Morgen des vierten Tages brach unsere Wandertruppe bei schönstem Sonnenschein auf. Gut gelaunt begannen wir den Anstieg zur Gradetzspitze (3096m).

Hier erwartete uns ein 1300 Höhenmeter-Abstieg über den Gradetzsattel und den Muntanitzscheid. Die wohlverdiente Mittagspause wurde auf einer herrlichen Wiese abgehalten. Großzügigerweise verlängerte Dr. Klaus Sippel diese auf 45 Minuten. Danach waren alle wieder fit für den längsten, aber dafür landschaftlich schönsten Abstieg der Woche. Es ging zum Kalser Tauernhaus (1755m). Ein Tal wie im Bilderbuch. Nach dem Motto "Nur die Harten kommen in den Garten" haben sich einige der Wanderfreunde in dem 8°C kalten, kristallklaren Wasser des Wildbaches gewaschen. Das nenne ich Natur pur! Die idyllisch gelegene Hütte hatte für jeden ihren eigenen Reiz. Den einen verführte sie zum Schlafen und den anderen zur Hüttengaudi.

Nichtsdestotrotz wurden die Wanderstiefel wieder aufs Neue geschnürt. Um 8.30 Uhr ging es ca. 100 HM bergab zur Moarebene. Der Weg verlief dabei über die Mooralm (1800m) und durch das Teischnitztal zur Stüdlhütte (2801m). Mittlerweile waren die 1000 HM bergauf für alle kein großes Problem mehr. Niemand litt mehr unter seinem Muskelkater aus den ersten Tagen.

Nach Ankunft auf der Hütte nahm jeder eine Stärkung zu sich. Auf den Bänken wurde sich gesonnt und die müden Glieder konnten sich erholen. Zwei nimmermüde Wanderer bestiegen sogar noch nach diesen Strapazen im Anschluss die blaue Wand. Als Lohn gab es am Ende des Tages für jeden ein reichhaltiges Büffet. Alle waren über diese Vielfalt an Speisen so hoch über den Wolken überrascht.

Um 8:00 Uhr galt es dann den Abmarsch in Richtung Ködnitzbach anzugehen. Später hatten wir hinauf zur Pfortscharte endlich das Glück Steinböcke zu sehen! Weiter ging es dann zur Salmhütte, später über den Wiener Höhenweg zur Stockscharte (2500m) und zum Schluss zum Glöcknerhaus (2136m).

Das Gebiet um den Stausee und Gletscher war so interessant, dass noch eine dreistündige Wanderung hinab zum Stausee Margeritze über den Elisabeth-Felsen zum Gletscherfluss Pasterze über die Franz-Joseph-Höhe zurückgelegt wurde. Allein in den letzten 30 Jahren konnte man hier einen drastischen Rückgang des Gletschers beobachten. In diesem imposanten Gletscher fand Lutz P. einen Stein in Form und Größe eines Straußeneies. Trotz der 4,5 kg wollte er sich nicht von ihm trennen. Dadurch wurde der Weg zum Glocknerhaus beschwerlich. Zwei Drittel sind mit der Gletscherbahn gefahren und die Juniorgruppe (4) schleppten den Stein zu Fuß abwechselnd nach oben. Trotz seiner Liebe zu dem Stein ließ Lutz ihn am Wegesrand liegen. Stefan erblickte ihn und schwups war er wieder mit dabei. Nun stellte sich die Frage des Weitertransportes. Man kam auf die Idee, der Wanderer mit dem leichtesten Rucksack sollte ihn tragen. Also ab in Angelikas Tornister, die allerdings davon nichts wusste. Es begann der Aufstieg um ca. 550 Höhenmeter durch die Pfandlscharte zum Späherbrunnl und die ersten Gewitterwolken zogen auf. Angelika kam nicht sehr weit mit dem mittlerweile lieb gewonnenen Stück. Somit wurde jeder einmal Träger des "Pasterzeneis". Nun mussten wir doch unsere Regenjacken auspacken und die Wege wurden beschwerlich. Eine steile Rutschpartie lag auf einer ca. 500 m langen und steilen Schneepassage vor uns. Danach ging es weiter bergab und eine neue Hürde stand uns bevor. Die Überquerung eines inzwischen reißenden Flusses. Doch auch diese wurde mit Bravour genommen! Zum krönenden Abschluss wurde die Wandergruppe von einem wütenden Stier zur letzten Übernachtung - der Trauneralm (1522m) - gejagt. Auch wenn die Witterungsverhältnisse nicht die besten waren, war diese Wanderung eine der anstrengendsten, erlebnisreichsten und abenteuerlichsten.

Auf dieser Alm schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Die ganze Einrichtung wirkte so urgemütlich wie aus Großmutters Zeiten. Am Abend saßen alle am prasselnden Kamin und konnten somit noch einmal den ereignisreichen Tag Revue passieren lassen - und mittendrin auf einem Ehrenplatz unser Pasterzenei! Andreas heizte den Kamin mächtig an, so dass die nassen Schuhe über Nacht trocknen konnten.

An unserem letzten Tag, Samstag, den 22. Juli, sind wir von der Trauneralm drei Stunden durch das Tal der Pfuscher Ache hinab bis nach Pfusch auf 818 m gewandert. Von dort wurde die Wandergruppe mit dem Bus des Hotelbesitzers aus Bruck abgeholt. Im Hotel Lukashansel konnte sich alle noch einmal den Schmutz der Woche abwaschen und sich mit einem kräftigen Mittagessen stärken. Dann ging es wieder mit dem Zug nach Kassel zurück.

Am Bahnhof Wilhelmshöhe wurden die eifrigen Wanderer von einigen der Ehepartner mit Sekt begrüßt und mittendrin unser Paterzenei, welches direkt an Ort und Stelle „O…. Pasterzii Lutzus „getauft wurde.

Zum Schluss lässt sich nur noch Danke an unseren Organisator Dr. Klaus Sippel sagen, der alle wieder heil und sicher über die Berge nach Kassel zurückbrachte.

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