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Wintersport von seiner schönsten Seite
Der Schnee blendet im Sonnenlicht. Die Kristalle funkeln wie Diamanten in breiter Farbenpracht. Nach mehrtägigem Schneefall aus tief hängenden Wolken reißt der Himmel urplötzlich auf. Lang ersehnte Sonnenstrahlen wärmen. Einzelne Schneeflöckchen tanzen noch durch die Luft, segeln, sich mehrfach drehend, zu Boden. Dort türmt sich mittlerweile fast 3 Meter hoch Alt- und Neuschnee auf. Eine seltsame Ruhe hat sich ausgebreitet. Kein Vogelgezwitscher kündigt die Botschaft des bevorstehenden Frühlings an. Tiefster Schneewinter in 2.000 Meter Höhe der Brenta Dolomiten im italienischen Trentino.
Der Schneefall der vergangenen Tage erscheint alle Geräusche erstickt zu haben. Die Stille zwischen den schroffen, im Sonnenlicht des nachmittags leicht rötlich gefärbten Felsen rechts und links der Skipiste wird nur gelegentlich unterbrochen vom typischen Rattern der Rollen des Skiliftes. Auf den kahlen Lärchenzweigen stapelt sich der Neuschnee – bis er zu schwer geworden lautlos vom leichten Wind herunter gewirbelt wird. Fast einschläfernd gleichmäßig werden wir im in die Jahre gekommenen zweisitzigen hölzernen Sessellift, der alles andere als Gemütlichkeit verkörpert, über die tief verschneiten Wipfel der Tannen gezogen. Wie auf einem Gemälde von einigen grau-weißen Schneewolken umrahmt, erstrahlt vor uns ein Teil des Himmels in tief türkisblauen Farben. Längst ist unser Gespräch bei dieser Liftfahrt erstickt angesichts dieses Landschaftsbildes – überwältigendes, andächtiges Schweigen. Ein kehliges „unfassbar schön“ meiner Liftnachbarin reißt mich aus meinen Beobachtungen und Gedanken.
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Noch am Morgen war großes Bedauern durch unsere 38-köpfige Reisegruppe von Wintersportlern aus Lohfelden, Wellerode und Baunatal gegangen, als dichtes Schneetreiben und leicht nebliges Wetter den von allen erhofften Sonnenschein an unserem letzten Skitag zunichte zu machen schien. Sollte etwa im italienischen Nebel für uns Wintersportbegeisterte der FSK Vollmarshausen und des KSV Baunatal die gemeinsame Skifreizeit im italienischen Folgarida, ganz in der Nachbarschaft des mondäneren Madonna di Campiglio, enden, lautete die bange Frage am Frühstückstisch. Doch die alte Skifahrerweisheit, erst einmal auf den Berg zu fahren und nach der ersten Abfahrt über die weitere Tagesgestaltung zu entscheiden, hatte sich wieder einmal bestätigt. Und nun am Nachmittag dieser Wandel zu sonnigstem Wetter mit romantischem Naturerlebnis!
Die ganze Woche über hatten wir auf den Hängen des Val di Sole viel Neuschnee und damit traumhafte Pisten erlebt. Es war genau die Art von Schnee, die jedem den Eindruck vermittelt, man würde der perfekte Skifahrer sein. Endlich, endlich schien man Technik und Bretter zu beherrschen. Aus dieser Lust am Skifahren hatte deshalb der Tag für manchen schon zu frühster Stunde begonnen. Mit einer der ersten Liftfahrten, die sonst nur die Hüttenbelegschaften auf ihrem Weg zur Arbeit nutzen, waren einige unserer Gruppe bereits auf den Hausberg gefahren, um im 40 cm tiefen, noch völlig unberührten Neuschnee der Waldabfahrt „ihre“ Spuren zu ziehen. Volker hatte zuvor fachmännisch das „Gefühl“ für Tiefschnee fahren vermittelt. Eisplatten oder harte Kunstschneepisten waren jedenfalls für uns in diesem Skiurlaub Fremdworte. Diese Schneeverhältnisse nahmen auch jede Angst vor schwarzen Abfahrten. Eine Werbung für den Skisport kann man sich nicht besser vorstellen.
Das bloße Vergnügen verführte schon am ersten Urlaubstag dazu, das Skierlebnis bis zur letzte Bergfahrt zu genießen und auszudehnen. Übermütig vor Freude verfehlte der „letzte“ Könner dann die richtige Abfahrt und landete, in einem ihm völlig unbekannten Teil des Tales. Mit den Örtlichkeiten noch nicht vertraut, des Namens unseres vorzüglichen Hotels »Rosa del Brenta« noch nicht geläufig, blieb ihm nichts anderes übrig, als aufwändig den kilometerweiten Heimweg zu recherchieren, einschließlich eines Anrufes in der Heimat zwecks Nachfrage nach dem Hotelnamen. Erschöpft, aber reicher an Erfahrungen, stieß er Stunden später in nächtlicher Dunkelheit wieder zur Gruppe, die längst nach Sauna, Dusche und einer halben Stunde Schlaf relaxt auf das Öffnen der Speisesaaltüren zum Abendessen wartete.
Der Genuss italienischer Kochkunst in schickem Wohnambiente war täglich krönender Abschluss des Skierlebnisses. Und wer noch Spannung anschließend brauchte, fand dies beim allseits beliebten Eselspiel, beim Rummikub, Doppelkopf oder bei angeregten Diskussionen.
Abendlicher Höhe- und Schlusspunkt der Woche war wieder die beliebte Pyjamafete, ein Treffen im besagten Nachtgewand oder in karnevalistischer Verkleidung im größten Doppelzimmer des Hauses. Auf engstem Raum wurden ausführlich die Urlaubserlebnisse noch einmal Revue passiert und Erfahrungen ausgetauscht. Trotz dieses nicht ganz so trockenen Abends standen alle Teilnehmer der Skifreizeit am nächsten Morgen zu früher Stunde erholt vor unserem Bus, der uns die ca. 840 Kilometer heimwärts fuhr. Doch ohne Schneeketten war diese „Talfahrt“ über die Serpentinen mit ihren zehn Kehren nicht zu bewältigen. Erst zu später Abendstunde begrüßten wir gut gelaunt die nordhessischen Berge – die Heimat hatte uns wieder.
Wir blicken auf eine rundum gelungene Skifreizeit zurück. Bei allen sind Hals und Knochen heil geblieben. Lediglich ein Backenzahn und eine Bandscheibe hatten zwei unserer Wintersportler zu ärgerlichen Zwischenpausen gezwungen. Und schon auf der Heimreise im Bus wurde ein eigens komponiertes Lied angestimmt, mit dem nicht nur der gebührende Dank an unsere Reiseorganisatorin Angelika ausgesprochen, sondern kurzum zukunftsorientiert die Wiederholung einer Skifreizeit in diesem Gebiet im Winter 2010 eingefordert wurde.
M. L. |